Texte
Liedertexte
Gute Nacht
gs-kunst

Samstag, 2. September 2017
Der Jäger

Diesmal hat die Wand keine Farbe.
Die Bilder sind nicht mit klaren Linien umrahmt.
Die Farben tragen keine bunten Kleider.
Diesmal gibt der Raum nicht nach, die Gegenstände bleiben stumm und erklären sich nicht,
das schiefe Regal behält die Bücher.
Die Geschichte kennt keine Beine zum Davonlaufen.
Es ist das gleiche Stück in neuer Inszenierung, in anderen Gewändern.
Ein Protagonist schreit: "Erkenne" - ein anderer flüstert: "Sieh" -
ein dritter beschimpft das Publikum: "Ihr seid doch wegen mir gekommen.
Also hört euch an, was ich zu sagen habe. Hört mir endlich zu!"
Die Worte suchen Erklärung und geben den Schaustellern ihre Daseinsberechtigung.
Sie rezitieren altbekannte Worte und greifen thealtralisch nach Bedeutung.
Sie werfen die Sensen ins Feld.
Vielleicht treffen sie einen Hasen, vielleicht ein Reh.
Eins sitzt im Verborgenen in der ersten Reihe.
Es schläft.
Ein anderes ist auf der Flucht und versteckt sich in den hinteren Reihen.
Ein Drittes lenkt ab und winkt mit den Ohren.
Ein Schrei - tierisch präzise.

Die Jäger feiern den Treffer bei einem Glas Wein mit einem Lächeln auf der Zunge
und einem starren, glasigen Blick.
Der Wein schmeckt diesmal fad.
Der Kopf wurde nicht gefunden, weil niemand danach gesucht hat.
Ein Hase läuft davon.
Er hatte Glück.
Der Jäger sucht seine Sense und klammert sich an das Gewehr.
Ihn traf keine Schuld. Er hat das getan, was er gelernt hat.
Und doch war etwas anders.
Die Ruhe und Befriedigung, die sich sonst nach einer Jagd einstellte
und auf die er sich jedesmal voller Erregung freute, blieb heute unerkannt.
Er sieht in die Ferne und träumt von einem Reh,
welches ihn mit seinen braunen Augen anschaut.
Er hat die Natur schon immer geliebt.
Sie ist schön, so vollkommen.
Sie lässt seine Tränen fliessen, schmerzt seine Sehnsucht.
Er bemerkt nicht das herannahende Unwetter.
Als der Bltz den Hochstand spaltet, wollte er sich gerade umdrehen.
Als vorletztes Bild sieht er ein grasendes Reh, den Hals gesenkt - der Kopf fehlt.
Nach dem lautlosen, langen Fall schlägt sein Kopf federnd auf den Waldboden.
Als er die Augen öffnet, schaut er in braune Rehaugen.
Seine Nase berührt dünn das entsprechende Pendant.
Als letztes riecht er das Blut - es ist sein eigenes.

-----------------------

Dienstag, 25. Juli 2017
Sprich

"Sprich!", sagte die Blume,
doch die unausgesprochenen Worte blieben stumm.

"Schau!", sagte der Schmetterling,
doch die Augen schmerzten von den unvergossenen Tränen.

"Fühl!", sagte der Spatz,
doch das Herz rang nach Atem für die nächste Sekunde.

"Schmeck!", sagte die Biene,
doch der Munde blieb trocken und gierte nach Wasser.

"Pst!", machte die Nacht
und verriert damit die Stille, die keine Worte kannte.

"Es ist genug!", schrie der Körper
und die Seele verschwand für eine lange, lange Weile........

....bis zum nächsten Atemzug:

"Sprich!", sprach die Blume....

-------------------------

Ältere Beiträge

Anmelden





Ausverkauf auf ethisch

"Ausverkauf auf ethisch" - 13.03.2016

Selbstwert im Ausverkauf - raus mit den Wertigkeiten innerhalb eines Cash-Systemes mit zensiertem Angebot. Erkämpfte antiquare Rechte der Revolution: der Malusgier zum Frass vorgeworfen. Die Ausbeutung überholt sich selbst, sie hat neue gut getarnte Mäntel an, Negativzinsen für alles was auf der Bank des Tuns gehortet wird. Ja, Gegenwind, aber nicht aus dem Paradies, sondern mit aller Kraft von systemischen Platzhaltern mit Parolen ohne Zeitbezug, laut muss es sein, ja gegen, dagegen ist wichtig, gegen die, die tun, schnell den Ventilator aufgestellt und Gegenwind produziert. Jeder sieht den Sturm - oh - ah - kämpfen - kämpfen um's Überleben - da bleiben schon mal ein paar Leichen auf Strecke der verbalen Erleichterung. Keiner sieht die, die den Ventilator steuern, solange der Strom reicht, der braune Strom, der grüne Strom - ist nicht schlimm, den zu verschwenden, nicht schlimm, effizient und nachhallend muss es sein, amerikanisch effizient, versteht sich. Alles andere: ekelhaftes Missionarentum - wir sind doch nicht die katholische Kirche mit altbackender Doppelmoral - wir sind besser, unsere Moral ist perfider.
Vorwärts verhindern, gehe zurück über Beginn und dann direkt in die Fänge ungelebten Lebens. Begib dich direkt ins Gefängnis und kassiere 10.000 € Abfindung. Verantwortung kostet das Leben, jeden Tag. Das Leben verkostet sich selbst, jeden Tag. Verantwortung ist grad nicht im Angebot, nicht vergessen:

es ist AUSVERKAUF!!!

Verschwendung gibt es auch im Angebot, getarnt mit smarter Kuschelempathie, Verschwendung von Lebenskraft. Lügenkultur mit maximaler Körperbeherrschung. Wenn es irgendwo zuckt, dann sieht es keiner. :-)
Wir reden uns unser Gewissen weg, solange wir auf die anderen zeigen - schlechtes Gewissen: gratis für alle, wir machen nur Fehler, wenn wir sie gut verkaufen können, über die anderen reden wir nicht. Querdenker sind unter die Quotenregel gefallen, bloss kein Prozent zuviel quer, sonst könnte die manifestierte Ethik Schaden nehmen. Die Ethik verträgt nur 1% Quer, drüber geht gar nichts.
Diskriminiert wird nur das Spektrum unserer eigenen Auffassunsgabe. Unsere Verantwortung ist mit Fingern auf andere zu zeigen, das haben wir gelernt, das können wir gut, medienwirksam, grün gewaschen, weil wir uns besser verkaufen können als alle anderen, besser als jede Umweltsau - auch in den eigenen Reihen.

(Non) Profit Green Business - 200% Conviction - 99% Public Green Grins - 1% Quer


Schöne neue Welt




 

Fliegenhülle im Todesgruss gs-kunst

Kranich

Kranich ...spontan auf meine schlafzimmerwand gemal.., am 19.06.2016...



Im Auge des Sturms

"Im Auge des Sturms" - 16.01.2016

Sie wollte singen und brachte keinen Ton heraus.
Sie wollte was tun und die Hände gehorchten nicht ihrem Willen.
Sie wollte reden und der Mund blieb stumm - die Worte prasselten gegen die Lautloskeit ihrer Lippen.

Wandel stand vor ihr und noch eher sie ihm die Hand reichen konnte umkreiste er sie, als wolle er die horizontale Fallgeschwindigkeit erreichen.
Sie stand inmitten der Windrose und sah die Vergangenheiten um sich herumwirbeln.
Sie griff nach einer Erinnerung und riss sich fast die Hand ab.
Sie wartete und sah alles um sich herum vergehen und zu einem Weltencocktail verwirbeln.
Sie konnte nicht erkennen was sich hinter der graubunten Smoothie-Erinnerungswand verbarg.
Es lag ein beißender pfeifender Lärm in der Luft - so könnte sich der Todesschrei eines Insektes anhören.
Wenn sie einen Teil zu fassen bekam zerfiel die Substanz in ihren Händen und hinterließ einen schmutzenden Film auf ihrer Haut.
Was auch immer es war, es holte sich alles Erschaffene zurück und mixte es bis zur Unkenntlichkeit durch.
So sie nicht versuchte, mit den Augen zu folgen, spürte sie die Kraft inmitten des Drumherums der Haltlosigkeiten.
Todesschreie - geistlose Gestalten disputieren um das Gab und Gut ihrer Eitelkeiten, ihrer vergehenden Wahrheiten, so als könnten sie selbige mit ihrem verzweifelten Geschrei vor dem Untergang retten - Lügen im Fast-Food-Stil – weil die Zeit nicht reicht – weil die Zeit sich auflöst bei 9,81 Meter pro Sekunde zum Quadrat.
Ein gesprochenes Wort - so es die Wirbelwand erreicht - würde hinfort getragen werden im Wettrennen der Losigkeiten und in der nächsten Runde dem erstbesten willkürlich den Kopf abtrennen.
Kopflosigkeit ist nicht das Schlechteste in Zeiten der unterschiedslosen Geisthaftigkeit.

Lass die Drachin in Ruhe unberirrt verweilen inmitten des Sturmes und ihr Feuer schüren.




 

Sturmauge

Der sterbende Hund

"Der sterbende Hund" - 24.08.15

Es war einmal ein Gewitter. Dieses Gewitter war nicht wie alle anderen Gewitter. Es begann erst ganz gewöhnlich mit Wind, Blitzen, Donner, Regen. Doch dann wurde das Gewitter immer stärker, der Regen immer heftiger. Aus den Regentropfen wurden fingerdicke Fäden, die einschlugen wie Hagelbomben. Die Menschen, die von diesen Regengeschossen getroffen wurden, erlitten schlimme Verletzungen, manche starben sogar. Die Blitze wurden heller und reihten sich ohne Pause aneinander. Der Donner glich einem einzigen wütenden Grollen. Blitz und Donner waren untrennbar ineinander verwoben.
Die Menschen flüchteten in ihre Häuser, wenn sie es bis dahin geschafft hatten. Die anderen versuchten sich unterzustellen. Manche Menschen, vor allem die Gläubigen unter ihnen - also diejenigen, die an einen Gott oder ähnliches glaubten - flüchteten in eine Kirche - oder ähnliches. Manche hielten das Unwetter für die phrophezeite Apokalypse. Die Umweltschützer moralisierten: "Wir haben es ja schon immer gewusst und ihr habt nichts getan. Ihr seid selbst schulidig."
Mitten in diesem Untergangschaos und von den Ängsten und dem Gejammer der Menschen ungerührt, ging ein alter Hund mitten auf der Strasse durch den Hagelregen hindurch. Die Hagelgeschosse schienen ihm nichts auszumachen. Manche sagten hinterher sogar, dass die Hagelkörner einen Bogen um den Hund gemacht haben. So trottete dieser Hund durch die Stadt und die Menschen schauten verwundert und fasziniert zugleich hinter ihm her. Der Hund ging unbeirrt und mit gleichgültigem Blick seines Weges - den Blick in die Ferne gerichtet. Als er am Stadtrand angekommen war, drehte er sich um, nickte kurz und verschwand dann im Wald. Im gleichen Moment hörte das Unwetter auf.
Die Menschen, die den Hund beobachtet hatten sagten: "Der Hund hat das Unwetter gemacht, tötet ihn!" Andere sagten: "Der Hund weiss, wie man solch ein Unwetter unbeschadet übersteht. Fangt ihn und forscht an ihm!" Die gläubigen Menschen hielten ihn für den Satan in Tiergestalt und predigten: "Das Böse muss ausgerottet werden. Tötet alle Hunde!"
So keiften und zankten die Menschen, denn da sie Menschen waren, brauchten sie für alles einen Grund oder einen Schuldigen - am besten beides. Sie verfolgten den Hund bis in den Wald hinein. Als sie ihn fanden, lag er ruhig an einer sonnigen Stelle im Wald und hob seinen müden Kopf und starrte die Menschen mit seinem uneindeutigen klaren Blick an. Der Kampf der Menschen ging weiter und keiner registrierte den klaren Blick des Hundes und keiner bemerkte den leisen Windhauch, der ein Rascheln in den Baumkronen hinterliess.
Als die Forscher den Kampf gewonnen hatten und den Hund mitnehmen wollten, hielten sie einen toten Hundekörper in ihren Armen.

Er Der sterbende Hund wollte zum Sterben in den Wald und überlebte das todbringende Unwetter.
Sie wollten zum Überleben töten und starben letztendlich unwissend.

Wenn es Zeit ist zu gehen, geh - unbeirrt des Wütens der Menschen - und nimm dein Geheimnis mit.


---------------




 

Eitelkeit

"Eitelkeit" - 09.08.2015

Die eigene Eitelkeit kennt viele Fluchten, berauscht sich an der eigenen Gerechtigkeit, zeigt mit den Fingern auf die anderen.
Das sind die Bösen, die Guten sind wir. Die Wut und die Unverschämtheiten der anderen sind die Legitimation zur eigenen Ignoranz.
Herzlichen Glückwunsch!
Die Kette hat begonnen, sich selbst zu erfinden und hat vergessen wo und wann sie begonnen hat.
Macht macht, weist zurecht, wie früher Mama und Papa.
"Nie wieder" der Schwur, "nie wieder", denn die sind die Bösen und die eigene Eitelkeit lächelt und reibt sich die Hände.
Ja, sei lieb mit allen, zeige, dass du ein lieber, netter Mensch bist, lächle ihnen ins Gesicht, die Eitelkeit spiegelt sich im Lächeln der anderen, die Beifall klatschen bei soviel Grossmut, Kultiviertheit, Freundklichkeit und Edelmut - und wenn's keiner sieht: schlag ihr ins Gesicht, ganz ohne Applaus, Backstage.
Ja, du hast Recht, die Eitelkeit hat den Vorsitz, die Gerechtigkeit macht Kaffeepause. Mama hat ihr ok gegeben und Händchen gehalten und wenn Mama lieb ist sagt sie: "Brav, mein Kind, brav bist du." und Mama hat dich lieb und du hast Mama lieb.
Ja, du gehörst nun zu den Guten, das hast du schon immer gewusst, genauso dein Schwur "Nie wieder - nie wieder".
Und wir lächeln uns ins Gesicht: "Nie wieder! Nie wieder!
Und wir schlagen die eigene Gekränkheit dem Bösen ins Gesicht, weil wir die Guten sind und weil wir wissen, was Böse ist und dann brauchen wir nichts weiter zu tun ausser .... ausser .... ja, was.....ausser.....
Ist Macht ein Gefühl?

Weine, mein Herz, weine und freue dich über jeden lebendigen Tropfen Zorn und Trauer.


---------------




 

Eitelkeit

Schrei

"Schrei" - 24.06.2015

Schrei, Seele, schrei,
so laut du nur kannst,
schrei, Seele, schrei,
in den Gegenwind, unbeirrt,
mit aller freien unangestrengten Kraft,
schrei, in die Dumpfheit, gegen das Vergessen,
Schrei, bis die Nervenspitzen vibrieren, jede einzelne,
bis du ganz allein dastehst, eingebettet,
ohne Grenzen, selbst jederzeit solche seiend,
bis die Stimme erkennbar wird,
als deine eigene, deine ureigene

Schrei, Seele, schrei,
so unhörbar du nur kannst,
bis alles unechte, erlernte, aufgemimte,
gefriert und abfällt
von all den geliehenen Gesichtern,
du brauchst sie nicht mehr entschlüsseln,
weil es nichts zu entschlüsseln gibt,
verliere dich nicht in Rätseln, die keine sind,
wende dich ab von den Falschspielerinnen,
die ihr Spiel der Täuschung nicht beherrschen

Schrei, Seele, schrei,
lass die Stimme tönen, so lange der Atem trägt,
und sich löslöst von der erlernten Dualität, ein - aus,
lass die Zweifel schmelzen in der Stetigkeit,
in der Wahrhafttigkeit der Erinnering,
jenseits alles menschlich erdachten.

Leb wohl




 

Fliegenhülle im Todesgruss gs-kunst

Lauf der Zeit

"Lauf der Zeit" - 24.12.2014

Geh nicht mit die-sen Ein-flüssen
Geh mit dem Lauf der Zeit

Du weißt gar nichts




 

Wolken gs-kunst 7.12

Gefährtin

"Gefährtin" - 26.11.2014

Weise Gefährtin - nun bist du gegangen - auf die Reise zu deinen Ahnen, den Wölfinnen.
So tapfer, so geduldig, so beharrlich, so sturr.
Die Pfote in meiner Hand, dein rasselnder Atem.
Erst als meine Angst sich nicht mehr an deinem Atem fest hält, als ich meinen Atem spüre und von dem Bild von dir los lasse, als ich deine Pfote zittern lasse, erst dann wird dein Atem ruhig und tief bis in einen sanften Schlaf hinein - bis zum nächsten Erwachen.
Ich bewundere deine Sturrheit, mit der du dir im Garten einen Platz suchst und nicht mehr aufstehen willst, bereit zu sterben, obwohl wir dummen Menschen da noch nicht wissen, dass die Zeit gekommen ist.
Ab da hatte ich eine Ahnung, hatte keinem mehr geglaubt, der dich lebendiger machen wollte und ich hab alles, was du getan hast, ernst genommen, denn du bist die Wissende, nicht ich, du führst mich auf deinem ganz eigenen Weg in die andere Welt.
Ich kann nicht sagen, dass ich dich geliebt habe - Liebe, ein Begriff, dem soviel menschliches anhaftet und genau dieses Menschliche will ich dir nicht überstülpen.
Ich bin es, die dich gebraucht hat als eine, die immer da war - immer da sein - das können die wenigsten Menschen - einfach nur da sein, mehr braucht es nicht, eine, die nur schaut, die sich freut, die mich ignoriert auf ihre hündische Art.
Ich habe Ehrfurcht vor dir, vor deinem Tier-Sein - und damit soviel näher an der Unmittelbarkeit des Augenblickes als ich Mensch.
Du bist autentisch und integer - einfach Hund - und genau das hat mir so unendlich gut getan: dein unmittelbares echtes SoSein.
Du hast dir geholt, was du gebraucht hast und ich habe es dir gern gegeben, denn du hast es genommen:
Kraulen hinter den Ohren - hier war dein Fell am weichesten - Augen reiben, Stirnmassage - das volle Programm -
du hast es genommen und bist einfach gegangen, wenn es gut war - ich hab dich gehen lassen - immer wieder.
Jetzt ist es gut und du gehst für immer.
Ich danke dir für dein Da-Sein an meiner Seite. Ich habe Respekt vor deinem natürlichen unverfälschtem Wesen.
Im Radio: "Sie ist weg.... nun bist du wieder allein, allein..."

FINE




 

Himmelfall und Erdmantel

"Himmelfall und Erdmantel" - 14.10.2014

Ab heute falle ich in den Himmel und die Erde hüllt mich ein, wie ein zeitloser Mantel, den ich wieder gefunden habe und den ich tragen will, damit er mich schützt vor dem Frost der Kopflosen, der Dauerlächler - der Mantellosen.
Begrabe mich Erde und speie mich wieder aus, wenn du alles Fremde verdaut hast, speie mich aus und lass mich frieren, damit ich wieder einen passenden Mantel finde - die Erde an den Füssen - den Himmel im Haar.




 

Pferde

"Pferde" - 02.09.2014

Die Gedanken halten die Zügel nicht mehr, die Pferde sind durchgegangen und stehen erschöpft auf der Weide. Noch sind sie nicht bereit zu grasen, sie harren vollkommen verausgabt. Ihre Leiber dampfen, ihr Schnauben hallt durch den Morgennebel und verbreitet Schwaden von Lebensluft, die zu Tropfen wandeln. Ihre Peiniger haben sie abgestreift, sie sind ihnen entkommen. Eine dumpfe Erinnerung, ein kraftvolles wildes "Nein" - mit bebenden Körpern - missverständlich und furchteinflössend für die Blinden. Nur die Morgenluft einatmen, das feuchte Gras an den Hufen und Beinen. Die Fliegen schlafen noch, so wie die Sonne. Noch sind die Sterne aufgespannt und halten die schützemde Nacht zusammen - eine wärmende Decke in der Kühle des Dunkel: Frieden - eine Ahnung von Leben.




 

Corfu Einhorn gitta schürck

TOD

"TOD" - eine Erzählung - 02.09.2014

Ich habe den Tod gesehen - gestern Nacht. Er stand vor mir in langer Gestalt mit kurzen dunklen Haaren und - ganz klassisch - mit einer Sense. Zuvor hatte er mir Einhalt geboten und mich zum Anhalten gezwungen - ohne Sense - mit der nackten Hand und einem zeitensprengenden Knall. Ich konnte den Berg aus eigener Kraft nicht mehr erklimmen, zäh war jede Bewegung, langsam die Zeit - bis zum Stillstand. Ich habe ihn angeschrien, mit aller Traumkraftstimme, die mir zur Verfügung stand. Dreimal habe ich geschrien. Dann war Stille - dann war Wandel - er und ich in zeitloser Bewusstheit gegenüberstehend - friedvoll - und dann: Erwachen.




 

Regensburg 16.04.06 Foto: Matin Stühler

Hall

"Der Hall" - eine Erzählung - 13.06.14

Sie fürchtete sich, ihr Mund war trocken, es war keine Spucke da zum Schlucken. Da war dieser Hall, der grosse Raum, die Stimme des Redners, seine unnatürliche Art zu sprechen. Sie wollte raus, einfach weg, sie war wie gelähmt, der Weg versperrt durch die Menschenmassen - durchhalten, nicht weg laufen - durchhalten. "Ich schaffe das! Ich schaffe das!"
Das Herz schlägt gegen die dünne Haut, gleich sprengt es den Kopf. Es ist - Macht - sie wehrt sich nicht. Sieht es ihr jemand an? Guckt jemand? Kommt bald die Frage: "Ist was mit dir? Geht's dir nicht gut?" - Warten - keine Frage - Warten - keine Frage. Die anderen müssen es doch sehen! Nein, nichts - von den anderen kommt Nichts. Das macht es noch schlimmer. Sie ist allein unter all den Menschen, vollkommen allein. Es bleibt unbemerkt, lautlos, unausgesprochen. Die Menschen stellen sich auf, knien nieder, setzen sich, stellen sich auf, setzen sich, knien nieder - Nichts - unbemerkt. Die Stimme des Redners löst sich auf in einzelne Teile, nur noch Laut, ohne Sinn, Fremdsprache, eingebettet in die Kopf sprengende Akkustik der höhen Wände, die Wände, die mit den Geräuschen Ping-Pong spielen. Ein Schnäuzen in Reihe eins - sie erschrickt vor dem trötenden Elefanten, der direkt in ihren Körper posaunt. Den Körper als Grenze gibt es nicht mehr, der Klang ist in ihr, nicht mehr um sie herum. Was hat dieses Schnäuzen in ihr zu suchen? Sie kann die Auflösung nicht mehr verhindern, ihre Haut hält ihren Körper nicht mehr zusammen, sie löst sich auf im zeitlosen Klangspiegel, sie weiß nicht mehr, wer sie ist. Würde jemand ihren Namen rufen, sie wüsste nicht, wer gemeint ist - nur eine vage Erinnerung. Ihr Name würde sich aufsummieren in der Glocke des Farbklanges, er würde seine Bedeutung verlieren, da nichts mehr da ist, was ihm Bedeutung geben könnte. Sie hat Angst vor dieser Bedeutungslosigkeit - gleichzeitig saugt es sie fort - nur noch Auflösen in diesem dichten unausweichlichen Honig. Keine Erinnerung vermag die Grenze zu halten, kein Gedanke die Dichtheit zu durchschneiden.
Sie ist pure Wahrnehmung - jenseits einer Benennung.




 

Eis Copyright Gitta Schürck

Die Kraft

„Die Kraft“
(deutscher Text von Gitta Schürck, Sep 2013
inspiriert durch Worte von und in Gedenken an Ute Schiran)

Wenn du dich bedrängt fühlst,
und so ganz allein,
nicht mehr weiß,
wie alles weiter geht,
du dich verlierst in Fragerei,
wer du denn wirklich bist

Spür die Kraft – Tief aus all dem nährenden Grund –
Spür die Kraft – Geh entschlossen deinen Weg
Spür die Kraft – Die hier bei dir ist, so einzig wie ein Augenblick.


Die Kraft, sie ist versteckt,
hinter dem, was du mit den Augen siehst
Horch in dich hinein,
werde still und dann ersprüre sie
Fülle und Offenheit – kommende Möglichkeit

Spür die Kraft – Frei aus all dem nährenden Grund
Spür die Kraft – Denn du weißt nicht, was noch kommt
Spür die Kraft – Die überall ist, jetzt in diesem – Augenblick.



  RBG
Juni 2015


  gowest
Juni 2015


  anne
Juni 2015


  Herbstweisung
Sep 2013


  Baumstruktur 02
Sep 2013


  Baumstruktur 01
Sep 2013


  Allein und Einzig
Laaber
Juni 2013


  Blaue Qualle
Stralsund
Mai 2013


  Baumrinde
gs-kunst
April 2013


  Baumherz
gs-kunst
April 2013


  Baumhaut
gs-kunst
März 2013


  Fussgeheimnis
gs-kunst
April 2013


  Disteleis
gs-kunst
Winter 2011


  Baumstein
gs-kunst
Juli 2012
Wald in Kallmünz


  Distel
gs-kunst
Sep 2012


Druckbare Version